Ruhe in Frieden Morph – Du Glücksbringer meines Lebens

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metrix rise
Die Jung-DJs Metrix&Rise arbeiten seit langem auf einen Auftritt im Morph hin. Nun wird deutlich – Vergeblich. Foto: Manuel Stark

Eine Ära geht zu Ende. Der Morph Club hat sich dazu entschieden “mit sofortiger Wirkung” seine Pforten zu schließen. Als Grund werden auf der Facebook Seite erhebliche finanzielle Einbußen durch die Sperrstunde genannt. Mit dem Club stribt ein großes Stück Bamberger Jugendkultur. Ein Nachruf von Andreas Wolfger.

Lieber Morph, Du warst schon Kult, als ich gerade erst in diese wunderschöne Stadt namens Bamberg kam und warst damit einer der ersten Clubs, die ich hier besuchte. Neben meiner eigenen Wohnung warst Du der einzige Ort, an dem ich als Piefke so exotische Getränke wie “Astra” Bier – eine grauenhafte Plörre – finden und mich in Sekunden des Heimwehs trösten konnte. Danke!

Baby, hinter deinen Pforten wurde bereits gedichtet, bevor Internetvideos junge Mädchen, die Popsongs neu interpretierten, berühmt machten. Dein Oldschoolcharme lud dazu ein kreativ und offen zu sein. Ob Erasmusparty oder Poetry-Slam, Du warst einer der kulturellen Mittelpunkte der Domstadt und zeigtest uns jungen Menschen stets, dass es da draußen immer noch etwas mehr gab. Danke!

Ich war dein Gast, als ich mit meiner heutigen Ehefrau das erste mal tanzte – ich glaube das war zu Balkan Beats – und ich kann mich noch daran erinnern, wie wir lachend vor Freude und bei strömendem Regen von Dir Heim in Richtung Innenstadt liefen. Ich hätte damals nicht damit gerechnet, dass aus dieser Geschichte etwas Ernstes wird. Wenn ich jetzt zurückdenke, habe ich irgendwie wohl auch Dir meine Ehe zu verdanken. Danke!

Es tut mir Leid, dass ich in den letzten Jahren seltener bei Dir zu Besuch gewesen bin, aber du weißt doch, dass jeder immer mal so seine Phasen hat in denen er weniger ausgeht. Wenn ich in letzter Zeit spät am Abend aus irgendeinem Grund mit dem Auto an Dir vorbeifuhr, freute ich mich stets Leute vor Deinem Eingang zu sehen. Du gabst mir das Gefühl, nicht der einzige Nachtschwärmer zu sein. Wegen Dir wirkten die Straßen auch nach zehn Uhr noch lebendig und nicht wie eine Wild West Geisterstadt. Danke!

Offensichtlich werde ich so langsam alt, denn: Du machst deine Pforte zu und ich realisiere, dass all diese Erlebnisse nun endgültig der Vergangenheit angehören. Sollte in Zukunft ein anderer Fischkopp nach Bamberg kommen, muss er sich eine andere Heimat suchen. Junge Dichter und Erasmusstudenten werden sich in Zukunft wo anders austoben müssen – und auch Paare wirst du auch keine mehr zusammenbringen. Von nun an werden Bambergs Straßen nachts weitaus karger aussehen. Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber ich werde dich vermissen. Ruhe in Frieden.

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